Gemeindereise zu den Lutherstätten

Die Wartburg wurde uns vorgestellt als die Stammburg der Heiligen Elisabeth. Ihr sind viele Stuben und Zimmer gewidmet, Gemälde zieren die Wände. Das auch unser Martin Luther als Junker Jörg auf dieser Burg versteckt war ist eigentlich eher eine Nebensache in der langen Geschichte dieser Burg. Immerhin ist die Lutherstube noch so erhalten wie sie früher war und man konnte sich vorstellen wie Luther gelebt hat. Der Tintenklecks an der Wand, wo er den Teufel vertreiben wollte ist aber leider nur eine Legende.

In der Stadt Eisenach haben wir dann das Bachhaus in dem Johann Sebastian Bach geboren wurde und das Wohnhaus der Familie Cotta in dem Luther als Gymnasiast gelernt hat bewundert. Auch die Nikolaikirche in der Luthers Onkel Mesner war stand auf dem Programm.

Gegen Abend brachte uns dann der Bus in unser Hotel in Halle. Das nach einem ausgefallenen Mittagessen heiß ersehnte Abendessen fiel klein aus, dafür gab‘s am anderen Morgen nach einer ausgeruhten Nacht ein reichhaltiges Frühstücksbuffet. Heute stand Eisleben und Mansfeld auf der Tagesordnung. In Eisleben besichtigten wir Luthers Geburtshaus, seine Taufkirche und sein Sterbehaus. Wir bekamen einen tiefen Eindruck wie Luther gelebt hat. Die Taufkirche, neue renoviert mit einem Taufbecken für Erwachsene ist eine architektonische Meisterleistung geworden. Aufgefallen ist uns aber dabei einen großer Renovierungsrückstand aus der Zeit des Sozialismus im Gesamtbild des Ortes. In Mansfeld, dem Ort wo Luther dann zur Schule ging, auch konfirmiert wurde, fiel das noch viel deutlicher auf:  Große Jugendstil-gebäude am einfallen. viele Einwohner weggezogen, das einzige was hergerichtet ist, ist Luthers Wohnhaus und das dazugehörige Museum. Dort hat man – lachen sie nicht – sogar die Güllegrube der Luthers ausgegraben, die Essensreste analysiert und dabei festgestellt, dass es begünstigt durch die Fürsten bei Luthers Eltern hon schon edelste Speisen gab (Fasan, Rebhuhn etc.)

Der Sonntag war dann Wittenberg gewidmet. Auf der Busfahrt von unserem Hotel in Halle dorthin feierten wir einen besinnlichen „Bus“-Gottesdienst. In Wittenberg wurden unsere mittlerweile kritischen Augen schnell wieder versöhnt. Das schwarze Kloster, das Wohnhaus wo Martin Luther mit seiner Käte von Bora gelebt hat, war wunderschön hergerichtet. Das Melanchthonhaus, das Kranachhaus, die Universität, an der Luther gelehrt hat und die heute noch in Betrieb ist, wird uns Touristen in Tipp-Top Zustand präsentieret. Das besondere Highlight war dann die Schlosskirche zu Wittenberg, die erst heuer im Herbst die Tore wieder geöffnet hat und die wir besichtigen durften. Die Thesentür besteht heute aus Bronzeguss, da könnte man nichts mehr annageln. Im inneren haben wir dann die Wappen der Fürstentümer entdeckt die sich der Reformation angeschlossen haben, darunter auch unser Oettinger Wappen. Das Wittenberger Schloss des Kurfürsten gibt es aber leider so nicht mehr nur kleine Reste stehen noch. 

Am Nachmittag traten wir dann tief beeindruckt die Heimreise an aber nicht ohne  dem Grenzort Mödlareuth einen Besuch abzustatten. Mödlareuth gehörte schon immer zur Hälfte nach Thüringen zur Hälfte nach Bayern. In der Zeit der DDR wurde dann mitten durch Mödlareuth zunächst einen Grenzzaun, dann eine Grenzmauer gebaut mit den üblichen Schikanen: Minenfeld, Selbstschussanlagen, scharfe Hunde, Wachtürme etc. Ein hin und herkommen war unmöglich. Beim Versuch die Grenze zu überwinden starben damals viele Menschen. In Mödlareuth hat man Teile der Mauer und des Grenzzauns stehen lassen um uns den Wahnsinn der damaligen Zeit vor Augen zu führen. Beklommen setzten wir die Heimreise fort. Da tat es gut, dass Pfarrer Tauber ein Liederheft zusammengestellt hat und wir dann bis Oettingen aus Leibeskräften gesungen haben.

Die Lutherstätten sind eine Reise wert, die Eindrücke, die uns bleiben sind aber sehr gemischt…. Es gäbe dort im Osten noch viel zu tun - ob man dem Touristenansturm im Jubiläumsjahr 2017 gewachsen sein wird?                                         

Pfarrer Uli Tauber

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