Entstehung der Gemeinde - die Vierer

In der Entstehungszeit des Dorfes hatte der Besitzer des Meierhofes in der Jurastraße die Funktion eines Ortsvorstehers inne. Im Laufe des Mittelalters kam es dann zur herrschaftlichen Zersplitterung von Hainsfarth. Die Verwaltung der Gemeindefinanzen oblag damals den sogenannten Vierern. Dazu wurden von der Gemeindeversammlung (unter dem so genannten „Lindenkreben" = Dorfplatz am Gemeindestein) vier Männer guten Leumunds von der Gemeindeversammlung gewählt. Damit die wichtigsten Landesherren in diesem Gremium vertreten waren, musste jeweils ein Vierer oettingisch, spielbergisch, markgräflich und deutschordisch sein. Diese paritätische Besetzung galt auch für das Feldgericht. Es wurde jährlich an Michaelis (29. September) eine Rechnung aufgestellt und bei der Gemeindeversammlung am Dorfplatz verlesen. Jetzt wurden auch die neuen Mitglieder gewählt. Normalerweise rückten jährlich zwei neue Mitglieder nach.

Die Hainsfarther Hummelwascher

Wie jedes Dorf so hat auch Hainsfarth seinen Spitznamen. Die Geschichte von einem schwarzfleckigen Gemeindestier, dem die Hainsfarther angeblich seine schwarze Farbe herunter waschen wollten, damit er zu den rotscheckigen Kühen im Dorf passt, soll hier im Hainsfarther Dialekt erzählt werden.

D'Hoansfarder Hummelwascher

In Hoansfard wor d'r Gmoahummel scho recht ald gwora und weil'r nix mea tauchd hot, habba d' Hoansfarder b'schlossa, dass ma'n schlacht und an jingera a'schafft. Weil grad Ährad wor, hott d'r Burchamoaschd'r und sei Gmoarät koa Zeit g'het, dass aff'n Viechmarkt ganga und oan koffa. Do hott si d'r Gmoadeaner aboda, dass er oan bsorcht. So hott ma'n zom Eikoffa furtgschickt. Am Obnd isch'r hoam komma und hott dadsächli an Hummel mitbrocht. Es war a Mordskerl — a Brachtexemblar. Aber oan Fehler hot'r g'het. D' Hoansfarder Kiah wora alle roatscheggad, der Hummel aber diaf-schwarz. Des hot net sei defft. Was iatz?

A Vorschlach aus d'r V'rsammlung wor, dass ma d' Kiah oafach schwarz amola soll. Des wär aber z' vill Erbad g'wäsa und o mit vill Koschda v'rbunda gwest. Oafacher wär's doch, wenn ma den schwarza Hummel schea weiß wascha dead und d'rnoch scheggad amolad. Des wor a guad'r Vorschlach. Also habba d' Hoansfarder schnell Schrubber und Bischda, warms und kalds Wasser g'holt. Dann hod ma groaßa Hummelwesch g'macht. Ma hot g'rieba, butzt und gmacht. Ob der Hummel do d'rbei sei schwarza Farb v'rlora hot, woaß ma ned. Aber dass d'Hoansfarder seitdem an neia Nama habba: Hummelwascher

Hausnahmen in Hainsfarth

Die Hausnamen dienten in früherer Zeit zur Unterscheidung von gleichnamigen Familien. So gab es in Hainsfarth zahlreiche Familien Dollrieß, Dantonello, Mebert und andere, die durch verschiedene Hausnamen unterschieden wurden. Die ältesten Hausnamen sind die Hofnamen die teilweise bis ins Mittelalter zurückreichen (z. B. „Ruckbauer" Hs.-Nr. 7, „Bachbauer" Hs.-Nr. 142, „Hetzenbauer" Hs.-Nr. 45). Viele Hausnamen leiteten sich von einem Beruf ab (z. B. „Becka-Mebert" Hs.-Nr. 62, „Neubeck" Hs.Nr. 53, „Braungassenweber" Hs.-Nr. 185). Vielfach sind auch die Vorbesitzer Namengeber für einen Hausnamen (z. B. „Dorner" Hs.-Nr. 136, „Metz" Hs.-Nr. 181). Manchmal hielt sich ein Hausname auch über einen Besitzwechsel oder Verkauf hinweg. Es gab aber auch Hausnamen, die beim Umzug des Besitzers mit auf dessen neues Haus gelangten (z.B. „Gratz" Hs.-Nr. 12).

Auch unter den "Gäulbauern" gab es zahlreiche Hausnamen: "Niklas" Hs-Nr. 137, "Bachbauer" Hs-Nr. 142, "Reiber" Hs-Nr. 189, "Schweizer" Wornfeld 2.

Das Rockenlicht

Als es noch kein Fernsehen gab, und Veranstaltungen im Dorf auf Kirchweih, Dorfhochzeiten und Christbaumverlosungen an Weihnachten beschränkt waren, verbrachten die Burschen die langen Winterabende im Rockenlicht. Es suchten sich in der Regel immer vier bis sechs Jugendliche eine gastfreundliche Familie, die bereit war, ein Rockenlicht aufzunehmen. Bevorzugt waren natürlich Familien, in denen es junge, hübsche Mädchen gab. Man kam dort im Winter fast täglich zusammen. Es wurde immer das Neueste aus dem Dorfleben aufbereitet, Gaudi gemacht und viel Karten gespielt. Die Frauen machten Handarbeiten. Früher wurde auch gesponnen, daher kommt der Name (Spinnrocken). Das Rockenlicht war auch der Ort, an dem jeder neue Jahrgang das Tanzen lernte. 

Wenn in der Gastfamilie Metzgersupp war (ein Schwein geschlachtet wurde) gab es ein Fest. Die Rockenlichtfamilie stellte das Essen, meistens Krautenfleisch, die Burschen stifteten die Getränke. Gelegentlich ging man auch zu anderen bekannten oder befreundeten Familien zum "Spiesrecken", wenn dort geschlachtet wurde. Es wurde ein Eimer an einer langen Gabel zur Küchentür hineingehalten, um vom geschlachteten Schwein etwas abzubekommen und schon war wieder ein kleines Fest gerettet. Die Älteren in Hainsfarth erinnern sich noch an Rockenlicht in den Häusern Nr. 1 (Pröll), 42 (Schülein), 185 (Erdle), 194 (Seefried) und 217 (Seefried). Das Rockenlicht hielt sich bis in die 1960-er Jahre hinein. Dann kamen das Fernsehen und die Diskotheken und das Rockenlicht hatte wie viele andere alte Bräuche ausgedient.

Die Gemeindeweide

Das Gemeinderecht erlaubte früher jedem Besitzer die Benutzung der Gemeindegründe als Weide. Die Vieh- und Roßweide mit 60 Hektar wurde 1806 an die einzelnen Hainsfarther Anwesen verteilt. Danach wurde das gemeindliche Viehhüten jedoch noch weiter praktiziert. Nun wurden im Herbst nach dem Schneiden des Getreides die abgeernteten Äcker und nach der letzten Mahd auch die Wiesen von den Hainsfarther Rindern abgegrast.

Lydia Stangenberg geb. Griesbauer erinnert sich, dass um 1936 ihr Vater Georg Griesbauer (Hs.-Nr. 55 b) zusammen mit seinem Schwager Friedrich Rummel (Hs.-Nr. 170 a) das gemeindliche Viehhüten übernahm. Dazu wurde morgens durchs Dorf gegangen und mit einem Blechhorn geblasen. Das war für die Leute das Signal, die Rinder im Stall loszubinden und auf die Straße zu treiben. Die so entstehende Herde wurde von Hof zu Hof größer und wurde nun auf die Weideflächen getrieben. Das größte Problem war es, am Abend wieder jedes Rind in seinen eigenen Stall zu bekommen. Während die älteren Kühe mit ihren Kälbern allein in ihre gewohnte Umgebung zurückstrebten, war es bei halbwüchsigen Rindern oftmals schwierig, diese wieder in ihren Stall zu treiben. Dabei halfen dann die Frauen und Kinder der Viehhirten mit. An Kirchweihtagen bekamen die Kinder der Hirten dann von den Dorfbewohnern Backwaren geschenkt. Nach etwa 1937 hörte in Hainsfarth die gemeinschaftliche Beweidung auf. Nun führten einzelne Bauern nur noch jeder für sich ihre Rinder auf die Weide, was dann später auch aufgegeben wurde.